Ixito bedeutet Feuer in der ausgestorbenen Sprache Churuya. Die Sprache war eine der Nation der Wayapopihíwi. Das Wort ist neben weiteren geschätzt 50 Wörtern ein Überrest von dem, was einst im Amazonas des präkolumbianischen Kolumbiens gelebt, erfahren und gesprochen wurde. Des Churuya beraubt, kämpfen die Wayapopihíwi weiter gegen das auslöschen ihrer Kultur.
Ixito ist erloschen
Feuer ist Essenz und Grundstein des heutigen Kulturmenschen. Der Wortsinn ist elementar für unsere Geschichte. Jeden Tag im Munde, um sich zu wärmen, zu ernähren und zu verteidigen. Die Feuerstelle – ein Ort der Begegnung, Forum der Ideen und Raum für Auseinandersetzung. Ohne die Bändigung des Feuers, würden eben diese Wörter nicht existieren. Und doch wurde Ixito durch eben diesen Kulturmenschen der Neuzeit seiner heutigen Bedeutung beraubt.
Die Dialektik des Feuers
Prägte uns die Widersprüchlichkeit des Feuers? Kann sie als Analogie für die Ambiguität der menschlichen Zivilisation stehen? Die Dialektik zwischen Zerstörung und Innovation, zwischen Schutz und Gefahr musste doch bereits dem ersten Feuerbändigern bewusst sein.
Darf ich mir deshalb erlauben in den Tiefen der Glut noch mehr zu stochern?
So kann die Bändigung des Feuers in vier Elemente unterteilt werden: Die Entfachung, die Bewahrung, die Nutzung und das Löschen.
Da ist zunächst die Entfachung. Technisch ist es eine scheinbar kontrollierte und regelmäßig intendierte Synergie. Es bedarf eines brennbaren Stoffs, Sauerstoff und der Mindesttemperatur für die Verbrennung sowie das richtige Mengenverhältnis von brennbarem Stoff zum Sauerstoff. Puh, im Alltag ziehe ich ein Streichholz über die Reibefläche – oder bewege meine Finger 5 Millimeter um das BIC Feuer zu entfachen. Ganz Einfach, oder? Ob eine Beziehung, eine Idee oder ein Gefühl. Alle benötigen soziales Brennmaterial, den sauerstoffhaltigen Raum und zugleich ausreichend Friktion. Das Gleichgewicht muss stimmen! Um zu wachsen braucht die Beziehung Reibung. Die Idee basiert auf der Inspiration, der geistigen Entfachung, dem spark. Ein Gefühl wächst mit dem Raum, dem man ihm gibt.
Dann ist da die Bewahrung, das anhaltende Zugeben von den oben genannten Zutaten. Gegen die Widrigkeiten wie Wind, Feuchtigkeit, Regen, Tiefdruck, fehlendes Brennmaterial oder der einfachen Verwahrlosung selbst. Unser Kampf gegen die äußeren und inneren Widrigkeiten ein lodern zu bewahren wird mit Kommunikation, Koordination und Pflege bewältigt. Die Überzeugungskraft der Idee, die Bindung einer Beziehung oder die Wahrung eines Gefühlszustands werden von uns gepflegt und ausgehandelt. Jeden Tag gegen das Erlöschen.
Die Nutzung des Feuers. Die lebenserhaltende Wärme und das erhellende Licht sind Mittel zum Zweck. Das Licht erlaubt die Erforschung der tiefsten Dunkelheit und der Erschließung neuer Unterwelten. Hitze alchemisiert jede erdenkliche Materie zu etwas Anderem und Neuen. Sei es das Kochen von Nahrung, das Schmelzen von Metall oder der Antrieb von Turbinen. Energie und Materie wurden nutzbar und formbar. Widrigkeiten wie Wälder und Feinden werden in Feuersbrünsten verschluckt. Ist das Mittel des Feuers der Ursprung unserer Verwertungslogik?
„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht.„
– Friedrich von Schiller
Zuletzt ist da das löschen, bei dem sich der Kreis schließt. Über die Entfachung, Bewahrung und Nutzung hinweg sind wir überzeugt, das Feuer löschen zu können. Die Illusion der Kontrolle, die nur durch ihren Verlust enttäuscht wird. Ob eine Idee, eine Beziehung oder ein Gefühl. Erst entfacht, entzieht es sich unserer Kontrolle. Ein Wind kommt, und der schöne Wald steht in Flammen. Feuer ist wortwörtlich ansteckend. Eine Idee, ein Gefühl ja auch eine soziale Dynamik können unkontrollierbar werden. Flächenbrände schaffen, die wir nicht mehr einzufangen vermögen. Bis alles, was wir doch schützen wollten vor uns ausgebrannt und verkohlt liegt.
Eine Liebeserklärung
Schön und gut, Feuer ist wunder- wie furchtbar. Doch worum geht es bei IXITO.EU? Die Website ist eine Liebeserklärung. An den wichtigsten Menschen in meinem Leben, und das was wir aufgebaut haben. Ein Feuer, welches seit Jahren lodert und brennt.
Eines Nachts im August 2017 entfacht. Behutsam durch zärtliche Pflege, Koordination und Kommunikation behütet. Stets ein Scheit nach dem anderen nachgelegt und selbst die schwersten Stürme, den heftigsten Regen und die bedrückendsten Tiefdruckgebiete durchgestanden. Jede Reibung schaffte stets eine noch hellere Flamme und eine wieder heißere Glut. Unser gemeinsames Feuer nährt mich täglich. Wärmt mir die Brust inspiriert mich, über mich zu wachsen und mit und an Dir zu wachsen. Ohne Dich ist kein Schüren, und kein heißes Brennen der Lust. Zugleich brauchen wir beide Luft um das Feuer zu schüren. Es ist das Gleichgewicht aus Distanz und Nähe. Reibung und Luft. Über das Löschen machen wir uns eh keine Illusionen, wieso auch. Ich Blicke mit einem Urvertrauen in die Glut unserer Zukunft und kann beseelt neben meinen Lieblingsmenschen einschlafen, wissend, dass mich jede Nacht das Feuer wärmt.
Und so ist unser Ixito das Ergebnis einer Synergie. Aus Kulturen, Gefühlen und Ideen. Ein Kofferwort aus Namen. Eine gelockte Mondgöttin. Eine Grenzerfahrung. Ein Versprechen und ein Mythos, seinem Herzen zu folgen. IXITO.EU wird eine Liebeserklärung an das Leben. Eine Hoffnung gegen die Losigkeit. Ein Feuer gegen die Kälte. Eine Kraft gegen das Vergessen.
